Kreisgruppe Erding
Fledermäuse - Nachtleben Pfarrgarten Aufkirchen

 

In früheren Jahrhunderten gehörten Fledermäuse zusammen mit Kröten und Schlangen zum Hölleninventar. Teufelspakte sollen angeblich mit Fledermausblut unterzeichnet worden sein. Heutzutage sind Dachstühle und Türme von Kirchen oft die letzten Zufluchtsstätten der fliegenden Säugetiere. Bei notwendigen Renovierungsmaßnahmen - wie der geplanten Begasung des Dachstuhls in Oberding - wird auf Fledermäuse Rücksicht genommen.

Unsere seit drei Jahren bestehende Fledermausgruppe Erding - ein Gemeinschaftsprojekt von Landesbund für Vogelschutz und Bund Naturschutz - führt regelmäßig in Kirchen des Landkreises Bestandsaufnahmen durch. Im August 2007 war es im Pfarrverband so weit: eine vierköpfige Fledermausschutztruppe rückte an, ausgerüstet mit Scheinwerfern, Ferngläsern, Besen, Schaufeln und Fanggeräten an Teleskopstangen.

Es stellte sich heraus, dass sich die faszinierenden Tiere in unseren Kirchen ganz besonders wohl fühlen. Am liebsten tummeln sie sich offenbar in Notzing und Aufkirchen. Im Notzinger Dachstuhl fanden wir beachtliche Kotmengen und eine mumifizierte Bartfledermaus, auch ein lebendes Flugobjekt kreuzte unsere Wege.

In Aufkirchen konnten wir neben üppigen Kothaufen zu unserer großen Begeisterung kurz vor Sonnenuntergang zwei Langohren ausfindig machen, die im Dachstuhl hingen. Pünktlich zum Gebetläuten beobachteten wir sogar Flugversuche von fünf weiteren Exemplaren in der Spitze des Turms.

Im Dachstuhl der Schwaiger Kirche haben wir große Mengen an Kotpellets und einen Fressplatz gefunden - darunter versteht man eine Ansammlung von Schmetterlingsflügeln, die nicht mitverzehrt werden. Auch in Oberding und Niederding fanden sich Spuren.

Herr Diakon Lenz, der uns begleitete und schnell ein lebhaftes Interesse für die Lebensgewohnheiten der lichtscheuen Flugkünstler entwickelte, lernte die Haupttugend der Fledermausschützer kennen: die Genügsamkeit. Meistens müssen sie sich mit den Hinterlassenschaften ihrer Studienobjekte zufrieden geben. Das sind die typischen Exkremente, die im Gegensatz zu Mäusekot beim Zerreiben zu schwarzem Staub zerfallen. Bayerische Fledermäuse ernähren sich nämlich ausschließlich von Insekten, blutsaugende Arten gibt es nur in den Tropen. Entgegen landläufigen Befürchtungen verheddern sie sich auch niemals in langen Haaren.

Es gibt in Bayern 24 verschiedene Fledermausarten, die alle mit Hilfe von Ultraschall auf Insektenjagd gehen. Diese für Menschen nicht wahrnehmbaren Frequenzen kann man mit Hilfe eines Detektors hörbar machen. Fledermäuse stoßen, wenn sie sich untereinander verständigen, aber auch Laute aus, die für das menschliche Ohr wahrzunehmen sind. Viele Arten sind vom Aussterben bedroht, da Quartiere und Nahrungsangebote immer rarer werden.

Wer etwas für Fledermäuse tun möchte, verzichtet im eigenen Garten auf den Einsatz von Chemie und reserviert eine Ecke für Wildkräuter wie Brennnesseln und Weidenröschen, beides sehr beliebte Nahrungspflanzen von Schmetterlingsraupen.

Unsere Beobachtungen wurden an den Koordinator für Fledermausschutz in Südbayern, Dr. Andreas Zahn, weitergeleitet. Er fand den Bericht so vielversprechend, dass er die Notzinger Kirche im nächsten Sommer selbst besichtigen möchte.

Interessieren Sie sich auch für Fledermäuse? Haben Sie ein Quartier oder eine tote Fledermaus entdeckt? Rufen Sie mich an. Tel.: 08122/14514

Gabriele Betzmeir, Aufkirchen