Die Kendlmühlfilzn

 

ehemalige Abbaufläche wird renaturisiert. Foto: BN W.Veit

Der Ausflug der Kreisgruppe im Jahre 2001 führte in den Chiemgau zur Kendlmühlfilzen.
 Daß man im Chiemgau "Filzen" und nicht "Moos" wie bei uns zum Moor sagt, hat nichts mit regionalen Dialektunterschieden zu tun. Ein "Moos" wie das Erdinger Moos, das nur noch in Resten wie im Viehlassmoos besichtigt werden kann, ist ein sogenanntes Niedermoor.  
  Das "Moos" hat Verbindung zum Grund-wasser. Unter "Filzen" versteht man ein Hochmoor, das keine Verbindung zum Grund-wasser hat und ausschließlich durch Regenwasser gespeist wird.
 Die Kendlmühlfilzen war nach der Würmeiszeit aus dem Verlandungsgebiet des Chiemsees vor ca. 10 000 Jahren zunächst als Niedermoor mit Sumpfpflanzen wie Schilf, Rohrkolben und Sauergräsern entstanden. Vor ca. 5000 Jahren wurde daraus allmählich ein Hochmoor, bei dem verschiedene Arten von Torfmoosen überwiegen.
 Durch das ständige Aufwachsen der neuen Moos-Generationen auf den abgestorbenen Teilen der Vorgänger konnte sich die Mooroberfläche seither bis zu 7 Meter über das Gelände des angrenzenden Mineralbodens aufhöhen. Die "Filzen" wachsen in 1000 Jahren um ca. 1 Meter.
  Für die Menschen stellte der Torf aus den Filzen eine wichtige Rolle als Brennstoff dar. In mühsamer Arbeit wurde mit speziellen Stecheisen brikettförmige Teile ausgestochen und zum Trocknen gelagert. Ein trockenes Torfstück hat einen guten Heizwert, Torf war als Ergänzung zum Holz bis in die 50er z.T. in die 60er Jahre ein wichtiger Energieträger. Die Bauern erarbeiteten sich ihren jährlichen Heizungsbedarf selbst. Die bäuerliche Nutzung der Filzen wurde auch von der sehr engagierten Bürgerinitiative "Rettet die Kendlmühlfilzen" nie in Frage gestellt. 
  Die großflächige industrielle Nutzung, wie sie bis Anfang der 70er Jahre mit Hilfe von Strafgefangenen der Justizvollzugsanstalt Bernau und später durch eine Privatfirma betrieben wurde, schadete der Natur erst wirklich. Der Bund Naturschutz, insbesondere die Kreisgruppe Traunstein, die Bürgerinitiative und der Markt Grassau versuchten seit Anfang der 70er Jahre, das Gebiet unter Schutz zu stellen. Erst 1988 wurde der großflächige Abbau eingestellt und das lange Bemühen um das Naturschutzgebiet hatte nun Erfolg.
  Der ehemalige Torfbahnhof und die noch erhaltenen Reste der "Bockerlbahn" sind heute ein Industriedenkmal. Im Torfmuseum kann man die auf dieser Internetseite nur verkürzt wiedergegebene Geschichte, viele Bilder und Modelle und  inzwischen historische Werkzeuge und Maschinen besichtigen.
  Für Naturfreunde ist ein Tagesausflug ein lohnendes Ziel. Die Wege sind gut beschildert, es gibt an zentraler Stelle einen Aussichtsturm und an einigen Punkten sind Informationstafeln aufgestellt. Für Gruppen macht Claus-Dieter Hotz, der Vorsitzende des Vereins, gerne eine Führung und eine Sonderfahrt mit der "Molli".
  Naturfreunde wissen selbstverständlich, daß auch bei trockener Witterung gutes, d.h. feuchtigkeitsbeständiges Schuhwerk notwendig ist. Daß man die Wege nicht verlassen darf, versteht sich nicht nur aus Sicherheitsgründen. Die Vegetation soll sich auch auf den ehemaligen Abbaugebieten wieder bilden können.
  
Genaueres erfährt man über den
Touristik & Umwelt Verlag
83224 Grassau/Chiemgau
Samerweg 8   Tel:/Fax 08641-2126
 

 

Claus-Dieter Hotz bei der Führung. Foto: BN W.Veit
Claus-Dieter Hotz bei der Führung

Sonderfahrt. Foto: BN W.Veit
Sonderfahrt auf der Bockerlbahn

Planskizze und Bild vom Torfbahnhof mit freundlicher Genehmigung
von Claus-Dieter Hotz  und dem Touristik & Umweltverlag
Torfbahnhof Foto: Hotz

 


Vergrößern der Planskizze

 

[zurück]