Ortsgruppe  Taufkirchen
Wildblumen
BN-Ortsgruppe Taufkirchen-Holzland besichtigte den Betrieb für
Wildblumenvermehrung von Herrn Hans in Mimmelheim bei Obertaufkirchen.  

 


Herr Hans (im Bild 2. von links ) ist im Hauptberuf Landwirt, beschäftigte sich jedoch schon seit vielen Jahren mit heimischen Wildpflanzen. Deshalb entschloss er sich vor etwa 5 Jahren neben der Milchwirtschaft als zusätzliche Einnahmequelle Wildblumen zur Saatgewinnung anzubauen. Der Betrieb ist ein kleiner Vertreter einer Branche von Saatgutvermehrungsbetrieben, welche sich auf die Vermehrung von autochthonem Saatgut beschränken; d.h. der Samen stammt aus der Sammlung von Mutterpflanzen, welche in dem selben Naturraum wachsen, in dem das daraus vermehrte Saatgut ausgebracht werden soll. Damit wird erreicht, dass der Artenreichtum und die genetische Vielfalt unserer einheimischen Pflanzenwelt möglichst unverfälscht erhalten bleibt. Staatliche Behörden wie das Straßenbauamt oder das Amt für Ländliche Entwicklung sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz gehalten, in der freien Landschaft nur standortgerechtes autochthones Saatgut zu verwenden. Die Gewinnung von Saatgut erfordert viel Wissen und Geschick, auch Herr Hans musste Rückschläge einstecken.

Stolz zeigte er uns in seiner Werkstatt die vielen Gläser und Behälter, in denen das Saatgut von über 50 verschiedenen Wildblumen, -kräutern, und -gräsern aufbewahrt wird. Nach der mühsamen Ernte von Hand werden die Samen in kleinen selbst gebauten Anlagen ausgerieben und von Verunreinigungen gesäubert. Rund um den Bauernhof stehen Anzuchtschalen mit Pflanzen in allen Entwicklungsstufen vom Keimling bis zur blühenden und fruchtenden Pflanze. Herr Hans weiß von jeder Pflanzenart die besonderen Standortansprüche und kennt auch ihre Bedeutung als Futterpflanzen für die heimischen Schmetterlinge. Größere Mengen an Saatgut bringt der feldmäßige Anbau, hier verwendet Herr Hans seit kurzen die im Gartenbau gebräuchliche Vliese, die das mehrmalige arbeitsintensive Hacken der Felder ersparen. Die Samen seiner Blumenfelder sind leider auch bei Stieglitzen sehr beliebt, Netze helfen diese Gäste zurückzuhalten. Herr Hans stellt aus dem gewonnenen Saatgut passende Mischungen für Wildblumenwiesen für Hobbygärtner zusammen. Vor allem aber wird sein Saatgut geschätzt bei schwierigen Ansaaten an Straßenböschungen und Banketten, aber auch für Blumenwiesen bei Dorferneuerungen und Flurneuordnungsverfahren. Davon konnten wir uns an einer reichblühenden Böschung einer Gemeindeverbindungsstraße bei Obertaufkirchen überzeugen. Schließlich besichtigten wir die Mitte Mai eingesäten Biotopflächen und Wegebankette des Flurneuordnungsverfahrens Angerskirchen die sich in kurzer Zeit schon gut entwickelt haben.
Leider werden immer noch aus Kostengründen, vor allem aber aus Unkenntnis, artenarme Regel-Saatgutmischungen oder Blumenwiesenmischungen mit Zuchtformen verwendet . Mit geringem Mehraufwand hätten z. B. am Radweg bei Taufkirchen und auf Ausgleichsflächen im Baugebiet "Am Ziegelfeld" dauerhafte und standortgerechte Blumenwiesen angelegt werden können.
 

   aufgegangene Saat vor dem Pikieren

Mutterpflanzen am Haus
hier gibt es was interessantes zu sehen, links im Bild Natternkopf, Echium vulgare 
Wilder Dost, Origanum vulgare und Feld Thymian, Thymus pulegioides
ungereinigtes Saatgut, im Hintergrund Gläser mit gereinigter Saat nach Sorten getrennt
 
Ansaat einer Straßenböschung und Bankett im 2. Jahr nach Ansaat bei Obertaufkirchen
Herzgespann mit Hummel

 

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